Aida – auf, über und im See

Vom 22. Juli bis 22. August 2010 wird bei den Bregenzer Festspielen die Verdi-Oper „Aida“ gezeigt – in einer modernen und beeindruckenden Fassung. Auf der „schönsten Baustelle der Welt“ werden die Besucher der Bregenzer Festspiele in diesem Sommer noch einmal die Inszenierung von Giuseppe Verdis „Aida“ erleben können. 2009 sorgte die spektakuläre „Wasseroper“ für Rekordzahlen: 201.258 Zuschauer bei einer Auslastung von 99 Prozent machten „Aida“ zum bestbesuchten Spiel auf dem See, nur das Musical „West Side Story“ erzielte 2003 noch eine höhere Zahl.

„Wer glaubt, das Stück bereits in- und auswendig zu kennen, wird auf der Seebühne am Bodensee überrascht“, schrieb die Presse nach der Premiere im vergangenen Jahr. Regisseur Graham Vick und Bühnenbildner Paul Brown erzählen die bekannte Liebesgeschichte zwischen der verschleppten äthiopischen Prinzessin Aida und dem ägyptischen Feldherrn Radames neu und zeigen durch ihre Interpretation und Darstellung, den Bezug zur Gegenwart auf.

Statt Pyramiden, Kamelen und Wüstensand gibt es in Bregenz blaue Riesenfüße mit goldenen Sternen, gelbe Baukräne und zersplitterte Teile einer an das Wahrzeichen New Yorks erinnernden Statue. Ein Gedicht, das Paul Brown als Kind las, inspirierte ihn zu diesem Bühnenbild, mit dem er die Tatsache, dass „etwas, das wir Menschen hervorgebracht haben, von den Kräften der Natur wieder zerstört wird“ illustriert. Und die Gefangenen, die im überdimensionalen Elefanten nach Ägypten gebracht werden, tragen neon-orange-leuchtende Westen – die Ähnlichkeit mit Häftlingen in Guantanamo ist dabei ganz bewusst herbeigeführt, um „Denkanstöße zu geben“.

Wer bereits Aufführungen auf der Seebühne gesehen hat, wird bei „Aida“ feststellen, dass der Bodensee dieses Mal mehr Raum, ja sogar eine eigene Rolle, einnimmt. „Der See ist unsere Bühne, unser Stück schwimmt“, erklärt Regisseur Graham Vick. Sänger, Chormitglieder und Statisten stehen mitunter bis zur Brust im Wasser und während des berühmten Triumphmarsches tanzt ein Ballett auf einer versenkten Plattform mitten auf dem Wasser.

Erstmals wird bei „Aida“ auch ein Bühnenbild vor den Augen der Zuschauer zusammengesetzt. Diese Aufgabe übernehmen die 51 und 68 Meter hohen Kräne links und rechts neben der Bühne. Damit sind die Bregenzer Festspiele quasi wieder zu ihren Wurzeln zurückgekehrt, denn ihre Erfolgsgeschichte begann 1946 auf zwei Kieskränen, wenngleich noch wesentlich unspektakulärer.
Wahren Künstlern gleich, vereinen die beiden Kranführer die tonnenschweren Teile des Statuenkopfes zu einem vollständigen Gesicht hoch über dem Bodensee oder lassen das neun Meter lange Totenboot mit Aida und Radames in die Dunkelheit entschweben.

Gruppen, die einen Blick hinter die Kulissen werfen möchten, können auf einer Bühnenführung mehr über die künstlerischen Ideen und die technische Umsetzung der Aufführung erfahren. Auf der 50-minütigen Tour stehen die Teilnehmer einmal selbst auf der größten Seebühne der Welt, erleben, wie steil der Boden ist und können nachvollziehen, welch langen Wege die Schauspieler zurücklegen müssen. „Es bedeutet eine körperliche Anstrengung hier zu spielen, viele Opernsänger besuchen zuvor ein Fitness-Studio und Mücken im Mund stehen ausdrücklich im Vertrag“, so der Bühnen-Guide.

Neben der Bühnenführung, in der auch das komplett renovierte Festspielhaus gezeigt und viele Geheimnisse und Tricks gelüftet werden, kann auch ein Einführungsvortrag zum jeweiligen Werk besucht werden. Für Gruppen werden darüber hinaus auch exklusive Vor- und Nachprogramme in der Festspiel-Lounge angeboten.

Foto: Bregenzer Festspiele, Karl Forster