Archäologie für alle

Im Bayerischen Golf- und Thermenland können sich Gruppen als Schatzgräber betätigen und unter wissenschaftlicher Anleitung Ausgrabungen machen.

Geduld und Fingerspitzengefühl werden belohnt, wenn der kleine Spatel auf etwas Hartes trifft. Unbeschreiblich ist das Glücksgefühl, wenn sich der Gegenstand später – von Erde und Schmutz befreit – als Keramikscherbe mit eingeritzten Zeichen entpuppt. „Das sind wahre Kalenderblätter anhand derer wir die Funde zeitlich konkret einordnen können“, freut sich Elmar Stöttner, der 2003 die Idee hatte, Touristen bei einer archäologischen Grabung selbst Hand anlegen zu lassen.
Schlechte Erfahrungen haben er und sein Team von professionellen Archäologen dabei nie gemacht, im Gegenteil. „Die Amateure gehen sehr vorsichtig zu Werke, weil es für sie etwas ganz Besonderes ist, während ich schon 300 Gräber freigelegt habe“, erzählt Dr. Christian Piller von der Universität München, der das „Abenteuer Archäologie“ leitet. Und so haben die Hobby-Archäologen in den vergangenen Jahren Aufsehen erregende Funde gemacht: Sie entdeckten beispielsweise eine Siedlung aus der Jungsteinzeit, einen Kultopferplatz aus der Zeit um 1.700 Jahre v. Chr., Gräber, wertvolle Ringe und Gürtelschnallen.
Kein Wunder, ist doch der Lößboden Niederbayerns sehr fruchtbar, so dass sich bereits vor Jahrtausenden Menschen hier niederließen. Schicht um Schicht haben sie ihre Spuren in der Erde gelassen, die nun Archäologen und Urlauber gemeinsam wieder ans Tageslicht bringen. Die Touristen erleben dabei die Arbeit eines Forschers hautnah. „Ich lasse die Leute alles machen, nicht nur Graben, von der Vermessung bis zur Dokumentation des Fundes durch eine Zeichnung im Maßstab 1:10, sie sollen alles selbst ausprobieren, auch wenn ich später alles nochmals machen muss“, so Dr. Piller.

Viele der Teilnehmer sind bereits Stammgäste, die ihren Jahresurlaub beim Graben verbringen. Sie hat nicht nur das Entdecker-Fieber gepackt, sondern sie sind auch fasziniert von den Geschichten, die hinter den Funden stehen und die die Archäologen lebendig werden lassen. So erfahren sie beispielsweise, dass man Jahrtausende später anhand der Zähne feststellen kann, woher ein Mensch stammt. „Die wertvolle Gürtelschnalle der Frau, deren Grab wir im letzten Jahr öffneten, weist daraufhin, dass die Dame aus Italien kam. Ein Test im Labor kann das anhand der Isotope, die sich im Kindesalter in den Zähnen anreichern und dann durch den Zahnschmelz verschlossen werden, eindeutig klären.“
Neben den Grabungstagen stehen während des Archäologie-Aufenthaltes auch Ausflüge zu interessanten Fundstätten und Museen sowie ein Vortrag über die spannende Luftbild-Archäologie an, mittels der man erkennt, wo sich eventuelle Funde machen lassen. Ein experimenteller Archäologe zeigt darüber hinaus, wie die Menschen früher aus Steinen messerscharfe Klingen und Pfeilspitzen herstellten und wie sie mit Hilfe des Zunderpilzes, der an vielen Bäumen wächst, Feuer machten. Ein zünftiges Grabungsfest rundet dann den unvergesslichen Aufenthalt ab.

Forscher-Urlaub für Gruppen
Das „Abenteuer Archäologie“ findet im Juli im Landkreis Landshut statt und dauert jeweils eine Woche. Gruppen können aber auch zu anderen Zeiten individuelle Aufenthalte mit Organisator Elmar Stöttner vereinbaren. Zu den Leistungen gehören sechs Übernachtungen mit Frühstück im Drei-Sterne-Hotel, Getränke und Brotzeit auf der Grabung, wissenschaftliche Betreuung durch Archäologen, Ausflüge in verschiedene Regionen Niederbayerns, die Einführung in die Grabungstechnik, eine Vorführung experimenteller Archäologie, ein Vortrag über Luftbild-Archäologie, ein zünftiges Grabungsfest, Arbeitsgeräte, Kursunterlagen und Unfallversicherung.

Kontakt: Tel. 0871/ 4081835; E-Mail: [email protected]